Odenwälder Bote, 15.03.2024

Eine klimagerechte Welt braucht andere gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Darum soll es beim Weltladentag 2024 gehen.
Fair-Trade ist ein Teil der Lösung, denn auch die Produzenten im Fairen Handel sind von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Gleichzeitig sind sie mit ihren kleinbäuerlichen Strukturen, Bioanbau, Agroforstprojekten, klimaneutraler Produktion, etc. Vorreiter für einen klimafreundlichen Warenverkehr.
Solche Vorbilder für klimafreundlichen Handel müssen gefördert und unterstützt werden. Am Weltladentag wollen wir uns explizit für eine gerechtere Klimapolitik einsetzen, denn wann, wenn nicht jetzt, muss sich politisch etwas ändern.
Der Weltladen Groß-Umstadt beteiligt sich am 11. Mai, dem internationalen Tag des Fairen Handels, am bundesweiten Weltladentag und lädt zum Mitmachen ein. Unter dem Motto „Für Klimaschäden Verantwortung übernehmen“ setzen die Weltläden bundesweit ein Zeichen für Klimagerechtigkeit und Fairen Handel.
„Wir brauchen eine gerechtere Klimapolitik, die die Verursacher der Klimakrise in die Verantwortung zieht und die besonders Betroffenen deutlich stärker schützt“, fordert Stephanie Seeger, Referentin der bundesweiten Kampagne beim Weltladen-Dachverband in Mainz. „Der auf der Welt-Klimakonferenz 2023 beschlossene Fonds für Schäden und Verluste ist eine wichtige Maßnahme auf dem Weg zu mehr Klimagerechtigkeit, jedoch reichen die derzeit zur Verfügung gestellten Mittel nicht einmal aus, um 1% der weltweiten klimabedingten Schäden und Verluste zu bezahlen. Die verursachenden Länder der Klimakrise stehen in der Verantwortung, deutlich mehr Gelder für den Fonds zur Verfügung zu stellen“.
„Die Fair-Handels-Bewegung setzt auf nachhaltige und partnerschaftliche Handelsbeziehungen und unterstützt u.a. Kleinbauern, die aufgrund von Extrem-Wetterereignissen ihre Ernte verloren haben. Und was im Kleinen schon geschieht, muss nun im Großen weitergeführt werden“, ist auch Petra Jaegermann vom Vorstand des Weltladens Groß-Umstadt wichtig.
Das Team hat die Schaufenster des Ladens in der Schlosspassage thematisch dekoriert, am Sa., 11. Mai von 9 bis 13 Uhr können alle Besucher ein Memory-Spiel ausprobieren, sich einen Kaffee des Monats gönnen, entspannt im Laden umschauen und informieren.
Hintergrund
Auf der Weltklimakonferenz 2023 (COP28) in Dubai sicherte die internationale Staatengemeinschaft 800 Millionen US-Dollar für den Fonds für Schäden und Verluste zu. Das Geld soll von der Weltbank verwaltet werden. Offen blieb, ob für den Fonds neue Mittel zur Verfügung gestellt werden oder bereits für andere Klimaschutzmaßnahmen zugesicherte Gelder umgewidmet werden. Außerdem wurde auf der COP28 nicht geklärt, wie Menschen, die am meisten von Klimaschäden und Verlusten betroffen sind, Zugang zu den Hilfs-Geldern bekommen können. Die Fair-Handels-Bewegung fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, mehr Gelder für klimabedingte Schäden und Verluste bereitzustellen und Möglichkeiten zu schaffen, das Kleinbauern und Kleinproduzenten niedrigschwellig Hilfe bekommen können.
Der Weltladen Groß-Umstadt eG wurde 1917 gegründet und ist einer von etwa 900 Weltläden in Deutschland. Weltläden sind Fachgeschäfte des Fairen Handels. Sie setzen sich für mehr Gerechtigkeit im Welthandel ein - durch den Verkauf fair gehandelter Produkte, durch Informations- und Bildungsarbeit und durch die Beteiligung an politischen Kampagnen. Der Weltladentag ist der politische Aktionstag der Weltläden und findet zeitgleich mit dem World Fair Trade Day (Internationaler Tag des Fairen Handels) jedes Jahr am 2. Samstag im Mai statt.
D
ie Folgen der Klimakrise trifft auch zahlreiche Produzenten des Fairen Handels schwer. Verspätete Regenzeiten lassen Feldfrüchte verdorren, während zu frühe Regenfälle Blüten an Bäumen und Sträuchern vernichten. Höhere Temperaturen und steigende Luftfeuchtigkeit begünstigen die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten und machen die Arbeit auf dem Feld und in Werkstätten zeitweise unmöglich. Wenn Straßen wegen Überschwemmung nicht passierbar sind, können Produzenten ihre Waren nicht zum Hafen transportieren.
Foto: Rooibosfeld der Kooperative WORC in Südafrika.
Bild: GEPA – The Fair Trade Company
Hinzu kommt: Die Klimakrise ist ungerecht! Sie betrifft zwar alle Menschen weltweit, doch nicht im gleichen Maß: Arme Menschen sind stärker betroffen als reiche, viele Länder des Globalen Südens stärker als die des Nordens. Dementsprechend ist die Klimakrise nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine soziale Krise – mit historischen Ursachen, die bis heute andauern.
Der Faire Handel ist Teil der Lösung. Er setzt sich für mehr Klimagerechtigkeit ein und leistet mit vielfältigen Maßnahmen einen wirksamen Beitrag dazu. Zum Beispiel, in dem er Produzenten im Globalen Süden bei der Anpassung an die Folgen der Klimakrise unterstützt. Oder durch seine klimaschonenden Produktionsweisen, um die eigenen Emissionen so gering wie möglich zu halten. Und nicht zuletzt durch den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern, unterstützt durch Demonstrationen für mehr Klimagerechtigkeit, sowohl in Deutschland als auch im Globalen Süden.
eigene Pressemitteilung, 26.07.2023
Der Weltladen in Groß-Umstadt lädt jedes Halbjahr zu einer besonderen Spendenaktion ein, damit hilfsbedürftige Menschen fernab der aktuellen Nachrichtenwelt nicht vergessen werden. So sind von Januar bis Ende Juni 100 Euro in der Sammelbox auf der Ladentheke zusammengekommen, die am 24.7.2023 an den Verein Zahnärzte helfen e.V. überreicht werden konnten. Der 1. Vorsitzende, Dr. Norbert Reiß, übernahm den symbolischen Scheck mir großer Dankbarkeit, und versicherte, dass der Betrag zu 100% den Kindern in Peru zugute komme.
Seit 2009 unterstützt der Verein Schulen und die medizinische Versorgung der Landbevölkerung in den Hochanden in der Nähe von Cusco (ca. 60 km entfernt), der alten Hauptstadt der Inkas. Dazu gehören ein deutsch- peruanisches Kinderhilfsprojekt „Herzen für eine Neue Welt mit Corazones para Peru“, mehrere Grundschulen und eine weiterführende Schule „Colegio Valle Sagrado“ in Urubamba, die beiden Gemeinden Chaullaccocha und Chupani, sowie die Kooperation mit dem regionalen Gesundheitsministerium und anderen Hilfsorganisationen. Mehr: www.za-helfen.de.
„Wir wissen“, kommentierte die 1. Vorsitzende Petra Jaegermann (li.), „dass bei allem Wohlstand um uns herum selbst im eigenen Land viel Hilfe vonnöten ist. Wir möchten als Weltladen aber insbesondere die Menschen im Blick behalten, die noch weniger Chancen haben und vom elementaren Lebensglück sehr weit weg sind.“ Marianne Engel (re.), im Vorstand für die Finanzen verantwortlich, ergänzte: „Wir laden unsere Kundschaft auch weiterhin ein, etwa das Wechselgeld oder einfach so einen angemessenen Betrag in die Sammelbox an der Ladenkasse zu stecken. Wir suchen jeweils Organisationen aus, die das Geld auch 1:1 an die Menschen weitergeben und achten darauf, dass unsere Hilfe Bedürftige auf allen Kontinenten erreicht. Bis Ende des Jahres kommt das Geld der Kinderhilfe Senegal e.V. https://kinderhilfe-senegal.net zugute.“
So haben die Weltladenkunden bisher geholfen:
• 150 Euro „Engel für Afrika“ (2019)
• 125 Euro „Heartkids Indien“ (1. HJ 2020)
• 120 Euro „Coronahilfe Kapstadt District“ (2. HJ 2020)
• 150 Euro „Kinderhilfe Chalil, Indien“ (1. HJ 2021)
• 260 Euro „Kinderhilfe Afghanistan“ (2022)
• 100 Euro „Zahnärzte helfen e.V., Peru“ (1. HJ 2023)
Das gesamte Weltladenteam freut sich auch weiterhin auf Ihre Unterstützung.
Am Samstag, 06.11.2021, drehte sich im ev. Gemeindehaus in Klein-Umstadt alles um die dunkle Köstlichkeit "Schokolade". Renate und Otmar Bäcker vom Weltladen Groß-Umstadt führten mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden eine "Schokowerkstatt" durch und vertieften damit das Thema "Gerechtigkeit", mit dem sich die jungen Leute gerade beschäftigten.
Die Veranstaltung begann mit einer kleinen Schokomeditation. Danach führte die Reise in die Länder, in denen der Kakaobaum wächst. Die Besonderheiten der Pflanze wurden ausführlich erläutert, und neben der harten Arbeit der Kakaobauern wurde auch die "bittere" Seite von Schokolade thematisiert - am Beispiel der Kinderarbeit und des Schicksals von Kindersklaven. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden erfuhren außerdem von der Bedeutung des Fairen Handels für die Kakaobauern und stellten sich die Frage, was sie persönlich tun könnten, um hier für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.
Aus Kakaobohnen und weiteren Zutaten hat die Gruppe dann selbst Schokolade hergestellt, die die Teilnehmer zum Abkühlen auf die Fensterbank stellten und sich anschließend auf der Zunge zergehen ließen. Die gewonnen Erkenntnisse haben die "Konfis" dann in ihre Beiträge für den Gottesdienst am nächsten Tag einbringen können.